Tom Hodgkinson zitiert in seiner essayistischen Plauderei über den Müßiggang das Manifest der Slow Food Bewegung, die sich als Protest gegen die kulturelle Vormacht der Fast Food Ketten von Italien aus über Europa verbreitet. Er schreibt:
Die Bewegung Slow Food wurde im Jahr 1986 von einer Gruppe linksgerichteter Italiener gegründet, die über die kulturelle Vormacht der Fast Food entsetzt waren. Ihr Ziel ist es, in die Produktion und den Verzehr von Nahrungsmitteln wieder Freude, Qualität, Vielfalt und Menschlich-keit hineinzubringen.
Sie tun das durch Veranstaltungen und Verkostungen, die Produktion von Büchern und ein hervorragende Zeitschrift. Nach bescheidenen Anfängen hat sich Slow Food inzwischen mit über 65 000 Mitglieder über ganz Europa ausgebreitet. Die Bewegung hat sogar kürzlich ein Büro in den USA eröffnet, der Wiege der Fast Food. Ihr Logo zeigt eine Schnecke, und der Gründer, Carlo Petrini, sieht in der Bewegung eine »ausgewachsene Kulturrevolution,«. Dem stimme ich zu.
Wie das Slow-Food-Manifest zeigt, geht ihre Philosophie weit über das Essen hinaus und kann als Protest gegen die entmenschlichende Mechanisierung des Lebens insgesamt verstanden werden:
Unser Jahrhundert, das unter dem Zeichen der Industriegesellschaft begonnen und sich entwickelt hat, erfand zuerst die Maschine und modellierte dann nach ihr das Leben.
Wir sind durch Schnelligkeit versklavt und allesamt demselben heimtückischen Virus erlegen: Fast Life, der unsere Gewohnheiten beeinträchtigt, unser Privatleben durchdringt und uns zwingt, Fast Food zu essen.
Um seines Namens würdig zu sein, sollte sich der Homo sapiens von der Schnelligkeit trennen, bevor sie ihn zu einer Art verkommen lässt, der das Aussterben droht.
Eine beharrliche Verteidigung des beschaulichen Genusses ist die einzige Möglichkeit, sich dem universalen Irrsinn des Fast Life entgegenzustellen.
Mögen angemessene Dosen gesicherter sinnlicher Freuden und langsamer, lange währender Genuss uns vor der Krankheit der Masse bewahren, die Hektik fälschlicherweise für Tüchtigkeit hält.
Unsere Verteidigung sollte am Tisch mit Slow Food beginnen. Lasst uns die Aromen und Düfte regionaler Küchen wieder entdecken und die erniedrigenden Auswirkungen von Fast Food bannen.
Im Namen der Produktivität hat Fast Life unsere Lebensweise verändert und bedroht unsere Umwelt und unsere Landschaften. Slow Food ist darauf die einzige wirklich fortschrittliche Antwort.
Bei wahrer Kultur geht es allein darum, den Geschmack zu entwickeln, nicht ihn verkümmern zu lassen. Und welchen besseren Weg gibt es, dies in Angriff zu nehmen als durch einen internationalen Austausch von Erfahrungen, Kenntnissen und Projekten?
Slow Food garantiert eine bessere Zukunft.
Wenn Sie mehr über die menschenfeindliche moderen Arbeitswelt erfahren wollen, schauen Sie in das inspirierende und informative Buch “Anleitung zum Müßiggang”. Heyne 2007 von Tom Hodgkinson hinein. An vielen Beispielen zeigt er auf, wie wir durch kreative Faulheit unsere Arbeit und unser Leben bereichern können.