Es ist wichtig, zwischen Schmerz und Leiden zu unterscheiden. Schmerz ist ein Zeichen dafür, dass etwas in uns verwundet oder aus dem Gleichgewicht geraten ist. Leiden ist eine Fixierung auf den Schmerz, eine Haltung der Unwissenheit oder der Versuch einer Identitätsfindung.
Für viele Menschen ist ihr Lebensdrama die Basis ihrer Identität. Ihr Leben ist darauf ausgerichtet, Anerkennung für das Leiden zu bekommen, das sie durchlitten haben. Das ist ein sehr menschliches und legitimes Bedürfnis. Das Problem besteht darin, dass Sie mit der Anerkennung das Leidens nicht überwinden. Im Gegenteil.
Die Erfahrung, dass sich Ihnen andere aufgrund Ihres Leids mitfühlend zuwenden, gibt ihm zusätzlichen Wert. Das eigene Elend wird zu einem Mittel, Zuwendung zu erhalten. Damit verfestigt es sich, und es wird noch schwieriger, es zu überwinden.
Leiden kann sich aus den täglichen kleinen Katastrophen speisen, die für viele Menschen ein Weg sind, sich lebendig zu fühlen. Für manche ist es der einzig bekannte Weg, am Leben teilzuhaben.
Leiden kann sich auch still äußern, wie ein Vorwurf an das Leben, dass es ungerecht und hart mit Ihnen verfährt. Sie fühlen sich in solch einer Situation vermutlich als Opfer der Umstände. Damit geben Sie Ihre Macht an die Umstände ab.
Leiden entsteht auch, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren. Es ist an diesem Punkt wichtig, zwischen dem Schmerz über den Verlust und Leiden zu unterscheiden. Schmerz ist eine natürliche Reaktion auf Verlust. Der Schmerz vergeht, wenn Sie sich erlauben, den Verlust zu betrauern. Nach solch einer aktiven Trauerphase können Sie sich dem Leben erneut zuwenden.
Das Leiden dagegen wird gespeist durch Schuldgefühle oder Wut über die Ungerechtigkeit der Welt. Wenn Sie diese Gefühle nicht erkennen und sich mit diesen Gefühlen auseinandersetzen, verfestigt sich das Leiden zu einer Opferhaltung.
Eine Opferhaltung unterscheidet sich von einer tatsächlichen Opfersituation dadurch, dass Sie durch ihre Gedanken und Gefühle, also über ihr Bewusstsein immer wieder neu in Ihrem Inneren herstellen. Eine Opfersituation dagegen findet im äußeren Leben statt. Aus solch einer Opfersituation in der Kindheit entsteht im Erwachsenenalter oft eine Opferhaltung mit den Gefühlen ohnmächtiger Wut und Schuld.
Das Verstehen dieser Motive ist ein wichtiger Schritt, um sich aus der Umklammerung des Leidens zu lösen. Und das Buch gibt Ihnen dafür viele praktische Einsichten
Das Verstehen des Leidens genügt meist jedoch nicht, um es zu überwinden. Weitere Techniken und Methoden sind notwendig, um eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen aufzulösen und neue Überzeugungen und Handlungen zu etablieren.
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