In meinem Buch: Das Leben: eine Herausforderung. Begegne ihr setze ich mich mit den verschiedenen Ebenen auseinander, aus denen wir bestehen: Körper, Gefühl, Bewusstsein, inneres Wissen und Geist. Zu der Gefühlsebene schreibe ich:
Sprachlos, ratlos sitze ich im Kreis der Freunde wie ein Neugeborenes. Was tun wir miteinander, wie reden wir miteinander, wer ist der, der spricht, wer ist der, der diese Geste ausführt? Ich schaue mir zu, wohl wissend, dass ich nicht das Repertoire meiner einstudierten Gesten bin, das Geflecht meiner Gedanken, die Macht des Wissens, die Gestalt dieses zeitlich begrenzten Leibes, die Lust der Sinne. Wie ein Analphabet lerne ich die Grammatik der Gefühle, die Sprache des Herzens, die sich hinter der Mauer des Entsetzens verbirgt: Mitgefühl, Demut, Freude, Glückseligkeit, Liebe.
Statt Männern begegne ich Menschen. Statt der Sinnenlust vereint uns das tiefe Verständnis füreinander. Vor meiner Abreise nach Indien verarbeite ich mit einem Mann deutsch-jüdische Geschichte bei einer internationalen Konferenz. Seit dem Tod seines Vaters vor vierzig Jahren im Konzentrationslager hat er mit Deutschen nichts mehr zu tun gehabt und nur seinen Hass gelebt. Wir setzen uns auseinander und zusammen, finden uns von Herz zu Herz, von Seele zu Seele. Der Bann der Vergangenheit ist gebrochen. Zwar versinke ich manchmal noch im Morast der Leiden der Vergangenheit, aber ich tauche wieder auf. Ich bin nicht die Gefühle vergangener Zeiten, ich bin nicht die Verkörperung der Sentimentalität.
In Findhorn finde ich den Mut zu sein, zu sein, was ich bin, auszudrücken, was ich spüre, jeden Teil, ohne zu zensieren. Ich lerne zu lachen, wenn mir nach Lachen zumute ist, zu weinen, wenn mir nach Weinen ist, die Bäume, die Wiesen, die Tiere zu umarmen, wenn die Freude das Herz weitet, in die Glückseligkeit überfließt. Ich finde den Mut zu nehmen, was ist, wie es ist, ohne Erwartungen, ohne Hoffnungen, ohne Plan, einfach so, ohne zu fliehen, ohne zu denken.
Ich finde den Mut, mir zu trauen, dem was ich spüre, sehe, rieche, fühle, meinem inneren Führer, zu wissen, dass es gut so ist, wie es ist, ohne Kritik, ohne Abwertung, ohne Zweifel, ohne Spiele. Alles wandelt sich jeden Augenblick, jede Minute, entsteht, vergeht. Das Werden löst sich im Sein auf, ich bin, einen Augenblick lang, einen seligen Moment lang, bis das Sein wieder vergeht.
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